Marathon-Team Waldhessen

Teilnehmerecho
12-Stunden-Lauf
Andreas Keuchel (c)Foto: Peter Gründling Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da ...
... die 12 Stunden von Rotenburg


überschreibt Andreas Keuchel seinen Erlebnisbericht:

"Als ich im Jahre 2003 meinen ersten Etappenlauf machte, kam ich mit Martin Bayer ins Gespräch. Er sagt damals, dass für einen erfolgreichen 100-km-Lauf ein 12-Stunden-Lauf ideal wäre. Genügend Zeit für schnellere Läufer, die 100 km zu erreichen. Es sollte noch fast 6 Jahre dauern, bis ich versuchen sollte, diese Idee zu realisieren. Immer wieder waren die gelaufenen Ultras lang genug. Es musste nicht mehr sein.
Als die Nachricht bei mir ankam, dass Harald Heyde vom Marathon Team Waldhessen, der mir die wunderschönen Etappenlauferlebnisse ermöglicht hat, nun einen 12-Stunden-Lauf im Schlosspark von Rotenburg an der Fulda veranstaltet, war es klar: Ich muss für meinen ersten 100er nicht nach Biel, ich will nach Rotenburg.
Die ersten Vorbereitungsläufe des Frühjahrs liefen optimal und mancher Trainingskilometer wurde erfolgreich absolviert. So ging es recht gut vorbereitet am Freitag Abend nach Rotenburg. Thomas aus Kassel, der wieder als Supporter fungierte, wurde noch am Bahnhof Wilhelmshöhe abgeholt. Um halb neun kamen wir in Rotenburg an. Es dämmerte schon und der bekannte Parkplatz wurde in der Nähe des Schlossparks aufgesucht. Der Park war in der aufkommenden Dämmerung in gleißendes Licht getaucht. Große Scheinwerfermasten beleuchteten den Bereich der Versorgung und der Rundenzähler, für die über die Laufstrecke ein Rundenzelt aufgebaut wurde. In der Mitte des Parks leuchtete ein großer Heliumballon, der wie ein Mond über uns stand. Das Rennfieber war da, die Atmosphäre stimmte. Kurz vor dem Start tauchte auch noch mein Lauffreund Jan auf; es konnte los gehen. Um 22:00 Uhr war der Start und wir liefen unsere ersten Runden auf der 1145-Meter-Runde in die Nacht hinein. Zuerst wurde noch viel geschnuddelt. Zeit genug gab es ja dafür und es standen auch noch jede Menge Fans an der Strecke. Ab 24:00 Uhr wurde es dann ruhiger. Wir Läufer waren alleine auf der Strecke und grüßten jede Runde unsere Rundenzähler, damit jede Runde auch gezählt werde. Außerdem wurden wir von zahlreichen freiwilligen Supportern unterstützt, die die ganze Nacht für uns da waren, Getränke stellten, Nudeln kochten, Brühe aufwärmten und uns gute Worte zu sprachen. Um 2 Uhr war der erste Marathon geschafft und es fühlte sich alles noch ganz gut an. Die erste Müdigkeit um 1 Uhr spielte keine Rolle mehr. Ich war nicht mehr müde und sollte es auch nicht mehr werden.
Mittlerweile war die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet und es leuchteten nur noch der Heliummond und die Schlossbeleuchtung. Viele liefen jetzt mit Stirnlampen; ich wollte aber die Nacht spüren und lief ohne. Irgendwann kannte man schon die Bodenwellen und nur machmal kam das Dinner-For-One-Feeling auf (ich meine den Tigerkopf).
Um 3 Uhr kam das erste große Tief. Die Beine gaben die ersten stärkeren Belastungsanzeichen und es waren erst 5 Stunden gelaufen, knapp 50 km erreicht und noch 7 Stunden vor mir. Das war die Zeit, zu der die ersten Mitstreiter die bereitgestellten Ruheräume der Jugendherberge aufsuchten und nicht mehr auftauchten. Aber das wollte ich nicht, denn ich war zum Laufen hier. So beschäftigte ich mit Rechnen, um heraus zu bekommen, wieviele Runden bis zu meinem ersten Ziel, länger als 75 km zu laufen, noch anstehen. Die Rechnerei bei einer Rundenlänge von 1145 m beanspruchte mich ziemlich, so dass dabei ein paar Runden vorbei gingen. Thomas lief eine Runde mit und kalkulierte mit seinem Handy die bereits gelaufene Strecke. Mittlerweile war Schichtwechsel bei den Rundenzählern, und ein paar sehr müde Gesichter winkten uns Runde für Runde zu. In dieser Zeit war der Kopf mehr am Kämpfen als der Körper. Mein Lauffreund Michael begleitete mich einige Runden und sprach mir Mut zu und half mir, mich auf meine eigene Kräfte zu besinnen. Das tat sehr gut. Es waren noch viele Stunden zu Laufen, und eigentlich reichte es mir schon. Aber es ging immer weiter und das Rückwärtszählen war aufbauend. Irgendwann nach 5 Uhr 30 waren die 80 km erreicht und mit dem Erfolgsgefühl und dem super wirkenden Isostar wurden die 100 km nach 10:46 Stunden geschafft. Nun erschienen in der Dämmerung die ersten 6-Stunden-Läufer, die direkt nach uns Laufen sollten. Ihre Anwesenheit motivierte mich zusätzlich, und so konnte ich auch noch die letzte Stunde durchlaufen. Überglücklich steckte ich, als das Signal für das Ende des Rennens ertönte, mein Fähnlein mit meiner Startnummer in die Erde, so dass auch die restlichen Meter ermittelt werden konnten. Nach 12 Stunden waren 110,044 km erreicht und ich beendete als 7. (2. M40) von 37 das Rennen. Wieder war dies eine Veranstaltung des Marathon Team Waldhessen, welche mit einer Toporganisation allen Beteiligten große Freude bereitet hat. Ein neues Event ist geboren. Herzlichsten Dank dafür."
100-km-Lauf
  • Christine Schröder
  • Gerhard Bracht
  • Corinna B. Eckardt
  • Walter von Weber
  • Holger Vergin

    12-Stunden-Lauf
  • Andreas Keuchel
  • Holger Sakuth
  • Ines Fischer
  • Bernd Nuß

    Sechs-Stunden-Lauf
  • TimoKrause
  • Gabi Gründling
  • Mathias Rohland
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