Report: Rhön-Weser-Challenge
  14. bis 16. Juni 2013 * 190 km * 27 Std.  
  von Harald Heyde
  So sehen Sieger aus! Ronald Noack (links) und Gunter Rothe vom Team Lauffeuer Fröttstädt laufen am Sonntag Morgen um 6 Uhr 26 ins Ziel der Rhön-Weser-Challenge am Weserstein. Nach 21 Stunden und 37 Minuten haben sie im Wechsel mit Laufen und Betreuen die 190-km-Distanz hinter sich gebracht. Mehr darüber und die anderen Teams im folgenden Report.  
  Im zweiten Anlauf wird die Vision eines Langstrecken-Team-Wettkampfs mit einem absolut neuartigen Konzept doch Wirklichkeit. Unter den Bedingungen, sich mit einem Partner beim Laufen und Betreuen abzulösen, die Strecke mittels GPS zu finden, die eigene Spur aufzuzeichnen und zwischen Untergang und Aufgang der Sonne Pause einzuhalten, gehen am Freitag um 18 Uhr drei Teams an der Fuldaquelle nahe der Wasserkuppe in der Rhön an den Start.

Eigentlich sollten mindestens fünf Teams den Wettkampf aufnehmen, und die waren auch gemeldet. Doch Team TiAy musste Familie und Freunden im Hochwasser der Elbe zu Hilfe eilen und Team Fulda platzte kurzfristig durch eine Absage - so sind es nur noch drei. Doch die gehen gut gelaunt auf die hundertneunzig Kilometer lange und knapp dreitausend Höhenmeter im Aufstieg fordernde Strecke. Die Bedingungen sind gut, und sie bleiben es auch bis zum Ziel: Trocken, wenig Wind und angenehme Temperatur zum Laufen.
 
   
  Von Beginn an macht Ronald Noack vom Team Lauffeuer Fröttstädt ordentlich Tempo. Nach 1:20h passiert er die Kontrolle bei Schmalnau nach knapp 17 Kilometern. Neun Minuten später kommt Manfred Götz, Team Non-Stop Ultra vorbei. Ingolf Scholz, Team Lauftreff Bali, folgt ihm in kurzem Abstand.

Nach dem Wechsel in Ried läuft Gunter Rothe (Lauffeuer) in Welkers (km 23,2) nach 1:55h durch, Stefan Scholz (Bali) und Adalbert Grüner (Non-Stop Ultra) folgen mit 2:09h. Bis zum Stadion in Fulda sind 34,5km Distanz, 300m Anstieg und 867m Abstieg zu absolvieren. Team Lauffeuer wechselt hier um 20:51 Uhr ein letztes Mal, um die verbleibende Zeit bis zur Zwangspause bei Sonnenuntergang (21:40) bestmöglich auszunutzen. Team Non-Stop erreicht um 21:08 Uhr das Stadion und steigt für heute aus. Dadurch ist es Team Bali möglich, auf den zweiten Platz vorzurücken. Ingolf läuft weiter und macht noch rund 2 Kilometer gut. Ronald kommt bis zum Sportplatz in Gläserzell, wo das Team auch für seinen als Wohnmobil genutzten Bus einen Standplatz findet.

Die Nacht ist kurz und für Erholung bleibt nicht viel Zeit. Das führende Team startet kurz nach fünf Uhr am Samstag Morgen im Nebel des Fuldatales. Die folgenden Teams wechseln in Kämmerzell kurz vor sechs Uhr. Über dem Nebel scheint die Sonne, und nach Westen bietet sich ein beeindruckendes Bild auf waldige Höhenzüge über dem Wolkenmeer. Die Kontrolle bei Langenschwarz (km 59,8) passieren die Teams Lauffeuer, Bali und Non-Stop um 7:14, 7:37 und 8:09 Uhr.

Jedes Team versorgt und verpflegt sich selbst. So ist es mir als Organisator und Wettkampfleiter möglich, mich ganz auf die Beobachtung und Kontrolle zu konzentrieren. Das besondere Reglement erlaubt es, einen Wettkampf mit fast beliebig großem Teilnehmerfeld mit minimalem Aufwand auszurichten. Anhand der aufgezeichneten GPS-Tracks kann auch nachvollzogen werden, ob der Streckenverlauf und die Pausenzeiten korrekt eingehalten wurden.



Gegen Mittag sind die Teams in den weiten Wäldern zwischen Bad Hersfeld und Melsungen unterwegs. Jetzt macht sich schon leichte Ermüdung bemerkbar, was Anpassungen an die verfolgte Strategie veranlasst. Team Bali wechselt in kürzeren Abständen, Gunter (Team Lauffeuer) muss dagegen eine 30-km-Etappe durchstehen, da Ronald mit seinem Magen zu kämpfen hat und länger pausiert.

Am Abend wird es spannend: Ist eine Zielankunft vor der nächtlichen Pause ab 21:40 Uhr noch zu schaffen? Gegen 21 Uhr 13 läuft Stefan am Ortsrand von Sandershausen an Ronald, der auf Gunter wartet, locker vorbei. Wo ist Gunter geblieben? Ist Team Bali jetzt an der Spitze? Ein Handy-Anruf klärt auf: Gunter ist schon durch Spiekershausen und im Wald vor Speele. Doch die Distanz ist für die verbleibende Zeit zu lang, er will zur Straße zurücklaufen und abgeholt werden. Team Bali bricht kurz vor Spiekershausen ab, muss aber für die Übernachtung ins bestellte Quartier bis nach Melsungen fahren. Team Fröttstädt richtet sich auf dem Festplatz an der Fulda für die letzte Nacht ein.

Sonntag früh: Gunter startet 5:06 Uhr zu den letzten Kilometern und wechselt in Speele auf Ronald, der ein beherztes Tempo vorlegt. Team Bali muss erst aus Melsungen anreisen und verliert fast 30 Minuten; zudem liegen sie beim Start 2 km zurück. Team Fröttstädt ist der Sieg nicht mehr zu nehmen: Ab Bonaforth laufen sie gemeinsam bis zum Weserstein, wo sie nach 21 Stunden und 37 Minuten geschafft, aber sehr glücklich ankommen. Gratulation!


Eine Stunde und zwanzig Minuten später laufen auch Ingolf und Stefan gemeinsam ins Ziel. Wo ist das dritte Team? Adalbert und Manfred waren am Samstag noch bis zum Ortsrand in Fuldabrück gekommen. Sie hatten die Ankunft am Weserstein fest auf Samstag Abend geplant, was sie aber leider nicht schafften, und traten am Sonntag Morgen nicht mehr an. Nun belegen sie mit der Leistung von 160km den dritten Platz.

Mit einer herzlichen Siegerehrung, bei der es neben den angekündigten Geldpreisen auch einige Leckereien gibt, und einer gemütlichen Kaffeehaus-Runde, wo noch einmal die Eindrücke der vergangenen 36 Stunden zur Sprache kommen, geht diese erste (und hoffentlich nicht letzte) Rhön-Weser-Challenge zu Ende. Schön war's - aber auch sehr anstrengend, das ist die übereinstimmende Meinung. Vom höchsten Punkt Hessens immer bergab zur Weser - so einfach war's dann doch nicht. Und die vielen Wechsel zwischen Laufen und Betreuen mit dem langen Samstag von 5 Uhr früh bis halb zehn am Abend - das zehrt. Aber Challenge bedeutet ja 'Herausforderung', und das ist es auch.